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May 2019

Pharmakologisch bedingte Veränderungen der Kreislauffunktionsprüfung nach Schellong bei vegetativer Dystonie Hyperthyreose und latenter Tetanie. III. Mitt.: Ergebnisse mit Prostigmin

Journal/Book: Z. ges. inn. Med. u. Grenzgeb. 07 (1952) 3 S.116. 1952;

Abstract: Aus den Staatlichen Kliniken und der Rheumaforschungsanstalt des Staatsbades Bad Elster - Bad der Werktätigen - (Chefarzt: Doz. Dr. med. habil. K. Lühr) I. Vorbemerkung Methodik der Versuchsanordnung siehe frühere Mitteilung (Z. ges. Inn. Med. 5 171[1950]; 6 398 [1951] ). Es wurde im Liegen sofort nach Test I 1 Ampulle Prostigmin "Roche" (0 5 mg) i.m. injiziert. Test II .und III erfolgte 25 bzw.90 Minuten post injectionem entsprechend den Angaben von Hornykiewytsch der diese Zeitpunkte bei seinen Untersuchungen über die Cholinesterasehemmung durch intravenös verabreichtes Prostigmin (Pr.) als wesentlich für Eintritt bzw. Maximum der Prostigminwirkung fand. Auch bei i.m. Injektion lag das Maximum nie vor 25-50 Minuten. II. Ergebnisse im Teil I der Schellong Prüfung (ST) Da die Errechnung der Ergebnisse grundsätzlich in gleicher Weise wie in der vorherigen Mitteilung angegeben geschah unterbleibt der Kürze halber die Darstellung des ausführlichen zugrunde liegenden Tabellenmaterials. Abkürzungen: LT = Latente Tetanie VD = Vegetative Dystonie Hth= Hyperthyreose. a) ps pd und p/min jeweils in Ruhe vor Test I II und III. Der systolische Druck (ps) zeigt hier bis auf einen Fall (=4%) stets einen geringen Abfall mit folgenden Mittelwerten: Im Test II bei LT um 7 1 mm Hg II " VD " 7 0 mm Hg II " Hth " 9 1 mm Hg III " LT " 3 9 mm Hg III " VD " 5 7 mm Hg III " Hth " 8 6 mm Hg Das heißt: Nach 25 Minuten post inj. ist der Abfall von ps größer als nach 90 Minuten wobei die Hth graduell stärker als VD und LT betroffen sind. Der diastolische Druck (pd) zeigt im Test II 4mal einen Anstieg von mehr als 5mm Hg (=16%) sonst einen Abfall mit folgenden Mittelwerten: bei LT um 2 0 mm Hg bei VD um 5 0 mm Hg bei Hth um 8 2 mm Hg. Im Test III erfolgt der Anstieg von pd 5mal (=20%). Der Abfall beträgt in den Mittelwerten: bei LT 2 3 mm Hg bei VD 5 0 mm Hg bei Hth 5 3 mm Hg. Hierbei liegt wiederum ein geringes Übergewicht bei den Hth. Die Amplitude (ps-pd) zeigt zu diesem Zeitpunkt im Test II 4mal(=16%) eine Vergrößerung sonst eine Verkleinerung im Mittel bei LT um 7 0 mm Hg bei VD um 5 0 mm Hg bei Hth um 10 1 mm Hg Im Test III erfolgt 5mal eine Zunahme (= 20%) sonst eine Abnahme im Mittel bei LT um 3 7 mm Hg bei VD um 6 5 mm Hg bei Hth um 7 0 mm Hg. Der Ruhepuls (p/min) ist im Test II nur 3mal (=12%) im Mittel um 4/min angestiegen sonst aber abgefallen und zwar im Mittel bei LT um 6 4/min bei VD um 5 7/min bei Hth um 11 2/min Im Test III erfolgt ein p/min. Anstieg öfter nämlich 9mal (=36%) im Mittel um 6/min. Diese Änderungen betreffen alle 3 Krankheitsgruppen gleichmäßig. Sonst beträgt der Abfall im Mittel bei LT 3 4/min bei VD 4 0/min bei Hth 5 0/min. b) Die Stehprüfung: Umfang und Beziehung der Bewertungen von Test I II und III sind aus der früher angegebenen Methodik im einzelnen zu ersehen. Es ergibt sich aus den Zusammenstellungen folgendes Bild: In nur einem Fall (= 4% der Gesamtzahl) war keine Veränderung der orthostatischen Blutdruckverhältnisse zu beobachten (Fall Nr.10; LT). Die Steigerung von ps die dort in Test I auf trat hielt sich unverändert im Test II und III. In 18 Fällen (= 72%) traten Veränderungen ein die mit einem Absinken von ps einhergingen. Ein weiterer Fall zeigte eine hypertone Ausgangslage von ps und dabei eine hypotone orthostatische Regulation (HTR) wie sie im Stehversuch bei Hypertonikern (Schellong eigene unveröffentlichte Beobachtungen) gerne auftreten. Wir haben demzufolge diesen Fall aus der Bewertung für Untersuchungen ausgeschlossen. Es verbleiben somit 5 Fälle (= 20%) bei denen entgegengesetzte Blutdruckbewegungen auftraten. Sie betreffen 2 LT (= 27 3% der LT) und 3 Hth (=42 9% der Hth). Die einzelnen Verhältnisse seien im folgenden etwas näher beleuchtet. Insgesamt entwickelte sich nach der Pr.-Gabe 10mal (= 40% der Gesamtuntersuchungen) eine regelrechte HTR (Abb.1) ferner 3mal (=12%) eine Regulationsform die am Übergang zur HTR (entsprechend den Kriterien Schellongs) steht. Dazu kommen 5(= 20%) Regulationsschwankungen von ps (mit Anstieg von pd und p/min) die sich neben normalen Werten von ps durch größere an die Grenze der HTR (bis 15mm Hg absinkender ps) hinabpendelnde Schwankungen auszeichnen und die wir bisher als hypotone Regulationsschwankungen (htRS) bezeichneten. Diese Blutdruckbewegungen traten bei allen 3 Krankheitsgruppen fast gleich oft im II. und III.ST auf; lediglich die VD liegen hierbei in der Mehrzahl (4: 2 Fällen) im Test III. Für den Ausfall einer solchen Regulationsform scheint das orthostatische Kreislaufverhalten im Test I keine besondere Rolle zu spielen; jedenfalls ergibt sich keine statistisch signifikante Beziehung. Anders ist dies bei denjenigen orthostatischen Regulationsformen; die mit Blutdrucksteigerungen einhergehen. Bis auf einen Fall fanden sich diese Formen stets dann (=16%) wenn im Test I eine HTR oder htRS vorlag. Eine Steigerung von pd im Test II und III gegen Test I ergab sich in 9 Fällen (= 36%); davon ist dieser pd-Anstieg nur einmal nicht mit einer gleichzeitigen HTR oder htRS gekoppelt. Überprüfen wir dabei die Verschiedenheiten innerhalb der Krankheitsgruppen so zeigt sich daß die VD in 100% eine Drucksenkung (3mal HTR 2mal fast HTR und 1mal htRS wenn eine HTR wegen der hypertonen Ausgangslage wie oben gesagt unberücksichtigt bleibt) aufweisen. Bei LT erfolgt einmal keine Änderung der orthostatischen Regulation nach Pr. 2mal jedoch eine Steigerung von ps wobei im Test I einmal eine normale und einmal eine orthostatische Sofortreaktion (OSR) mit nachfolgender htRS vorliegt. Wir haben als OSR bisher jene Regulationsform angesprochen bei der nach dem Aufstehen zunächst ein Absinken von ps um mehr als 15mm Hg eintritt das sich nach 1-2 Minuten normalisiert. Die Hth zeigen 3mal Blutdrucksteigerungen; d.h. es handelte sich hierbei stets um eine Änderung einer im Test I bestehenden HTR im Sinne einer Abschwächung zu htRS oder einer völligen Aufhebung derselben im Test II oder III. Lag in Test I hierbei eine normale Regulation im Stehen vor so wurde diese in Richtung der htRS in Test II und einer angedeuteten HTR (ps 16mm Hg gesenkt) im Test III abgeändert. Von weiteren geringfügigen Änderungen abgesehen dürften damit die regulatorischen Änderungen von ps und pd im Stehversuch vor und nach Pr. vollständig erwähnt sein. Nun die Veränderungen von p/min. Zur Festlegung der Pulswerte im Stehversuch bedienen wir uns der planimetrischen Ausmessung der von der Pulskurve und der Abszisse der Ruheausgangswerte in der auf Millimeterpapier erfolgten graphischen Darstellung umschriebenen Fläche des Stehversuches (Abb.2). Dieser Wert ist als ein Integralwert der Funktion zwischen Frequenz und Zeitdauer des Stehversuches (FZ-Wert) aufzufassen; seine Zahlen sind da sich die Größe des Wertes nur durch Änderungen der Pulskurve ergibt direkt miteinander vergleichbar. In der Beurteilung werden die Fälle besonders registriert bei denen p/min im Stehversuch unter den Ausgangswert hinabpendelt. Diese Fälle sind in der folgenden Aufstellung von Prozentzahlen nicht mit enthalten. Ohne Abb.1. Entwicklung einer HTR unter Prostigmin im Test III. Zu beachten ist das Verhalten von pd R: Ruhe vor Versuchsbeginn A: Sofort nach dem Aufstehen 1'-5' = Dauer der Stehprüfung in Minuten ._ ._ = ps und pd x - - x = p/min Wir finden nunmehr: Im Vergleich zu Test I und II ergibt sich eine Abnahme der FZ-Werte in 70 5% (im Mittel um 128): In 29 5% erfolgt eine Zunahme (im Mittel um 127 5). Ohne Abb.2. Darstellung des FZ-Wertes (s.Text) R A wie Abb.1. Die schraffierte Fläche: der in mm² ausgemessene FZ-Wert Im Vergleich von Test II zu III finden wir noch in 53% eine Abnahme (im Mittel um 88) und eine Zunahme in 47% (im Mittel um 168). Dabei besteht keinerlei Abhängigkeit der FZ-Werte und ihrer Änderungen vom Ruheausgangswert der Pulsfrequenz weder vor noch nach Pr. Bestand im Test I eine Pulsregulation im Stehversuch mit Schwankungen unter den Ruheausgangswert so erfolgte in allen diesen Fällen - und zwar doppelt so oft schon im Test II als im Test III - eine Verhinderung solcher Regulationsschwankungen der Frequenz. Nur einmal trat im Test II - also nach Pr. bei einem Vergleichs. FZ-Wert von 120 eine solche Schwankung unter den Ausgangswert auf; sonst nur noch dort wo schon im Vergleichstest I solche Schwankungen aufgetreten waren und die Aufhebung dieser Unregelmäßigkeiten im Test III endgültig erfolgte. c) Verhältnisse beim Wiederhinlegen: Nach dem Wiederhinlegen im Anschluß an die Stehprüfung erfolgte 11mal (=44%) ein normaler Ausgleich von ps und pd im Test II im Test III 15mal (=60%).Im Test II ergab sich einmal nach vor(=36%) ein übermäßig starker Abfall von pd um heriger HTR im Liegen keine Veränderung 9mal mehr als 10mm Hg 3mal(=12%) eine überregulierende Schwankung von ps von mehr als 10mm Hg über den Ausgangswert vor Versuchsbeginn. Einmal (=4%) erfolgte ferner ein deutlicher Anstieg von pd um mehr als l0mm Hg. Im Test III erhielten wir 6mal (=24%) den überregulierenden Abfall von pd und 4mal (=16%) den verstärkten Anstieg von ps. Die Rückregulation der Pulsfrequenz erfolgte zum Zeitpunkt dieses Versuchsabschnittes in allen Fällen vollständig davon 6mal (=24%) ebenfalls überschießend gegenüber ihrem Verhalten im Test I. Auch hier bestand jedoch kein bindender Zusammenhang zwischen Blutdruck- und Frequenzbewegung bzw. der Ausgangslage beider Faktoren. III. Ergebnisse im Teil II des ST a) Verhalten von ps sofort nach dem Lauf: Gemessen wurde: Ausgangswert (nach 2 Minuten und Differenz gegen den Belastungswert (Differenzwert D).Die höchsten Werte für D liegen bei VD in allen 3 Testen. Die Hth sind um ein geringes die LT um ein deutliches kleiner. Im Vergleich von Test I/II haben wir insgesamt 12mal(=48%) ein Gleichbleiben 11mal (=44%) einen Abfall (im Mittel von 11 9mmHg) und 2mal (= 8% ) einen Anstieg (im Mittel von 8 0mm Hg) von D. Im Test III gegen II ist D 16mal unverändert (= 64% ) 5mal(= 20% ) im Mittel um 17 4mm Hg angestiegen und 4mal (=16% ) im Mittel um 11 5mm Hg abgefallen. Dabei wird keine der Krankheitsgruppen einseitig bevorzugt. b) Verhalten von pd sofort nach dem Lauf: Ein Absinken von pd sofort nach dem Lauf um mehr als 15mm Hg trat nachweislich in 3 Fällen ( 12%) und zwar stets isoliert im Test III auf. Ein Anstieg von pd um mehr als 16mm Hg erfolgte ebenfalls 3mal allerdings war hier stets auch im Test I ein gleiches Verhalten festzustellen so daß in diesen Fällen nicht auf eine Pr.-Wirkung geschlossen werden kann. Die Mitteldrucke (pm) wurden durchweg kleiner. c) Verhalten von p/min sofort nach dem Lauf: Wir errechneten dreimal die Amplituden-Frequenz-Produkte (AFP) nach Liljestrand und Zander um korrelative Beziehungen zwischen Blutdruck- und Pulsfrequenz vergleichbar erfassen zu können (s: Mitteilung in Z. ges. Inn. Med. 4 655 [1949]). Diese AFP-Werte schwanken im Test I zwischen 37 und 119. Im Vergleich von Test I zu II erfolgt 14mal(= 56%) keine nennenswerte Änderung 5mal (= 20%) ein Abfall (im Mittel von 15 0) und 6mal (= 24%) ein Anstieg (im Mittel von 14 8) des AFP. Im Vergleich von Test II zu III fanden wir 12mal (= 48%) keine Änderung 5mal (= 20%) einen Abfall (im Mittel von 13 0) und 8mal (=32%) einen Anstieg (im Mittel von 24 7) von AFP. d) Verhalten der Blutdruckrückkehr in der Erholungsphase nach dem Lauf: In 3 Fällen (=12%) sank ps nach 5 Minuten über den Ausgangswert ab 3 andere Patienten (=12%) zeigten ein Überhöhtbleiben von ps das im Vergleichstest I nicht aufgetreten war. pd regulierte ebenfalls mit größeren Schwankungen stets vollständig zur Norm oder etwas darüber. e) Verhalten der Frequenzrückkehr in der Erholungsphase nach dem Lauf: In 3 Fällen (=12%) bleibt in Test II oder III nach 5 Minuten die Frequenz noch deutlich höher als im Vergleichstest I: 14mal (= 56%) wird die Rückregulation der Frequenz verstärkt und beschleunigt befunden (da bei öfter in Test III als Test II) und in 4 Fällen (=16%) wird ein im Test I beobachtetes Erhöhtbleiben des Pulses in Test II und III nicht mehr gefunden IV: Diskussion der Ergebnisse Die Wirkung des Pr. als Hemmungsmittel der Cholinesterase (Ammon und Zipf Aeschlimann und Reinert Schaefer; Göpfert und Schaefer Keser Mies Freudenberg und Redlich Krüger und Säker) läßt sich als vagotrop in dem Sinne ansprechen als es ein "Anstauen des nicht vermehrt produzierten Wirkstoffes" - des Azetylcholins - "infolge einer Hemmung seiner Hydrolyse" (Hornykiewytsch) hervorruft ("relative Vagotonie" Hornykiewytschs). Wie aber auch diese Theorie der Cholinesterasehemmung offenbar nicht ganz befriedigend ist (Milhorat und Almy Mendez und Ravin) so liegen auch mehrere Beobachtungen vor die dem Pr. auch Reizwirkungen auf den Sympathikus (Lüscher Ask-Upmark) oder amphotrope Wirksamkeit (Goetze) zusprechen. Dosis Applikationsform und vegetative Situation beeinflussen die Wirkung von Pr. wie verschiedene Beobachtungen der Klinik (z.B. Ask-Upmark Tietze Nowotny und Redlich Raagaard Hornykiewytsch) und des Tierexperimentes (Mendez und Ravin) beleuchten. Es dürfte sich dabei - wie bei jeder Anwendung vegetativ wirksamer Pharmaka - um die Ingangsetzung von Regulationsmechanismen handeln deren Zustandekommen das Bestreben des Organismus verkörpert eine bestimmte vegetative Gleichgewichtssituation zu erhalten. Es kann erwartet werden daß dem Vegetativ-Labilen im Sinne v. Bergmanns diese Regulation nicht mühelos gelingt da er gegen vagotrope und sympathikotrope Reize gleichermaßen empfindlich ist und infolgedessen bei ihm Abwandlungen im Verlauf regulativer Anpassungsvorgänge sichtbar werden können. Über die kreislaufmechanischen und hämodynamischen Komponenten der Pr.-Wirkung ist vieles bekannt obwohl die Angaben nicht einheitlich sind. Nach Perlow führt Pr. zu arterieller Erweiterung. Von Stepp wird der vasodilatatorische Effekt betont der auch von Ysander bei Hypertonus und Presbyakusis bestätigt wird. Donatelli findet am Warmblüterherz in situ neben einer negativ-chronotropen Wirkung peripheren (I) Ursprungs einen initialen Blutdruckanstieg dem eine ausgiebige durch bulbäre Vasomotorenlähmung bedingte. Senkung nachfolgt. Constantini und Ballarin sprechen dem Pr. eine negativ-inotrope Herzwirkung ab was der Cholinwirkung (Gaethgens Alberts) entspricht. Vanderlinden fand einen der CO2-Anreicherung entsprechenden sensibilisierenden Effekt des Pr. auf die Chemorezeptoren im Karotissinus mit welcher Steigerung der Herzhemmungsreflexe er sich den bradykarden Effekt des Pr. erklärt. Da das Schrifttum im Rahmen dieser Arbeit keineswegs erschöpfend behandelt werden kann seien nur die unmittelbar notwendigen Angaben zitiert. Vorausgenommen sei daß wir einen Einfluß von Pr. auf die Atemfrequenz (der allerdings nach Schweitzer und Wright auch erst nach hohen Dosen zu erwarten ist nicht feststellen konnten. Wir fanden bei unseren Untersuchungen daß das Pr. eine geringgradige Senkung von ps in Ruhe bewirkt der infolge einer weniger starken Beeinflussung von pd also eine geringe Abnahme der Amplitude parallel läuft. Dies deckt sich mit den Ergebnissen von Mendez und Ravin Raagard Pelner Tietze Hornykiewytsch Aeschlimann und Reinert. Die Veränderungen traten öfter und stärker nach 25 Minuten als nach 90 Minuten auf. Hornykiewytsch fand (bei anderer Dosierung und Applikation) den Beginn des Wirkungseintrittes bei Pr. im Zeitraum von 20-30 Minuten und beobachtete bei Vegetativ-Labilen ein "wellenförmiges Wiederauftreten der Symptome". Daß die Hth besonders mit einer Änderung des Blutdruckes nach Pr. reagieren muß betont werden. Gleichermaßen wurde p/min nach 25 Minuten stärker als nach 90 Minuten gesenkt; zu letzterem Zeitpunkt fand hingegen öfter ein Anstieg von p/min statt. Eine mehr oder minder ausgeprägte Bradykardie nach Pr. wird von Hornykiewytsch Seth Pelner Shaine Raagaard Ask-Upmark Mendez und Ravin Slaughter und Munsell Donatolli und Vanderlinden bestätigt. Nowotny und Redlich konnten sie (bei Myasthenikern) nicht finden. Carmichael Fraser MeKelvey und Wilkie beobachteten weder auffällige Puls- noch Blutdruckveränderungen nach Pr. Besondere Beachtung verdienen die mit Pr. erzielten Veränderungen der orthostatischen Regulation. Der hohe Anteil (72%) von HTR fast ausgeprägter HTR oder htRS steht in keinem Vergleich zu unsern bisherigen Ergebnissen. Die Verschiedenheit des Eintritts dieser Regulationsstörung ist aus dem bisher Gesagten wohl ohne weiteres verständlich zumindest aber deutbar. Es kann festgestellt werden daß sowohl Patienten mit normaler als auch leicht gestörter orthostatischer Regulation dieser orthostatischen Fehlleistung nach Pr. verfallen. Nicht immer freilich sind dabei scharf abgegrenzte Typenbildungen hervorgetreten. Es erfolgt aber in all diesen Fällen eine Einengung der Amplitude infolge Absinkens von ps und (in 8 Fällen davon) des gleichzeitigen Anstieges von pd. Die Reflexsteuerung der orthostatischen Kreislaufregulation ist ein komplexer Vorgang (s. zusammenfassende Darstellung von Reindell). Ohne die Anwendung größerer Kreislaufanalysen wird eine absolut sichere Aussage über deren ursächlich wirksame Faktoren nicht geltend gemacht werden können. Eine Senkung von ps-pd und von ps allein kann durch eine verringerte zirkulierende Blutmenge und durch ein verringertes Schlagvolumen und Minutenvolumen hervorgerufen sein das nach Reindell (im Gegensatz zu Schellong und Grollmann) schon bei Gesunden im Stehen auftritt. Dessen Kompensation erfolgt durch das Einschalten der sekundären arteriellen Reflexmechanismen (Hering Koch Gollwitzer-Meier) indem durch Erhöhung von E' und W der Gefäßraum verkleinert wird (Reindell). Daß hierbei nicht schlechthin von "sympathikotonen" Mechanismen gesprochen werden kann wird durch die Untersuchungen Parrs wahrscheinlich gemacht. Parr meint daß die "orthostatische Sympathikuserregung" "gegenregulatorisch eine Depressorenerregung" auslöse die "einen Ausgleich der Blutdeponierung verhütet". Schellong deutet die orthostatische Pulsfrequenzzunahme als im wesentlichen von der vegetativen Situation abhängig da er keine absoluten Korrelationen zwischen p/min und Blutdruckreaktion fand. In unseren Fällen waren die orthostatischen Frequenzwerte nach Pr. vermindert ein Befund der nicht zu den bisherigen Anschauungen bezüglich des Frequenzzuwachses bei HTR paßt (Schellong). Wir möchten daraus doch folgern daß eine Verminderung von Vs und Vm tatsächlich vorliegt und daß durch Pr. auch eine mehr oder minder starke Änderung der arteriellen Regulation eingesetzt hat. Die Ähnlichkeiten der Kreislaufwirkung von Pr. mit der des Cholins (Alberts) lassen an die Möglichkeit denken daß die dem Cholin zukommende auf Vasodilatation vornehmlich im Splanchnikusgebiet (Farkas und Tangl) abgestimmte Wirkung auch dem Pr. eigen ist worin eine Erklärung für das Versagen der arteriellen Regulation nach Pr. liegen könnte. Auffällig ist weiterhin daß in den 4 Fällen bei denen im Ausgangstest eine HTR oder htRS vorlag nach Pr. eine Steigerung des ps einsetzt. Das bedeutet daß hierbei offenbar eine orthostatische Regulationsstörung aufgehoben wurde. Wir fanden in den vorhergegangenen Versuchen ein gleichartiges Geschehen bei der Verwendung intravenöser Novocaingaben und noch auffälliger bei intramuskulärer Hypophenapplikation. Bedeutsam erscheint weiterhin daß bei VD in allen Fällen HTR oder htRS nach Pr. zustande kommen. Der Prozentsatz kann bei einem so kleinen Untersuchungsgut gewiß zufällig entstehen. Immerhin sei hier aber an das Brunssche Gesetz erinnert das dem "essentiellen Vagotoniker" eine besondere Labilität gegen sekundäre vegetative Reize zuerkennt." Isolierte" Anstiege von pd fanden bis auf einen Fall nicht statt d. h. es ist nicht anzunehmen daß Pr. primär den Faktor W der Hämodynamik verändert. Die Erhöhung von pd (8 Fälle) ist wohl der Ausdruck von Kompensationsvorgängen der arteriellen Regulation gegen die orthostatische Fehlregulation. Der fehlende Anstieg von pd bei pharmakologisch ausgelösten orthostatischen Fehlsteuerungen würde sich dann als ein durch das Pr. bedingtes Versagen der Gegenregulation erklären lassen (s. Abb.1). Die Möglichkeit einer experimentellen Erzeugung orthostatischer Regulationsstörungen durch vegetativ wirksame Pharmaka ist damit wiederum erwiesen. Es wird aber in der Deutung nicht einseitig vorgegangen werden dürfen; zeigen doch einige unserer Beobachtungen daß mit den gleichen Pharmaka auch bestehende Regulationsstörungen behoben werden können (Novocain Hypophen Pr.). Eine weitere Ausdeutung der Zusammenhänge wird und kann erst am Ende der gesamten geplanten Untersuchungsreihe geschehen. Außerdem sollen die vorliegenden Untersuchungen noch nach anderer Richtung hin ausgeweitet werden. Nach der Laufbelastung erfolgt nach Pr. in 44% ein Abfall von ps der wertmäßig doch deutlich in Erscheinung tritt; pm wird zu gleicher Zeit etwas verkleinert er überschreitet jedenfalls niemals den Wert von Test I. Demgegenüber fällt das AFP nur in 20% der Fälle ab. Zumindest erfolgt also unter der Pr. - Einwirkung keine "Verschlechterung" der Kreislaufökonomie nach der Laufbelastung; da die Verringerung von pm anzeigt daß keine erhöhte Druckarbeit für das Herz resultiert. Dies bedeutet eine Verminderung der Hypoxämiegefahr (Gollwitzer-Meier). Nur 3mal(=12%) ist der Abfall von pd dabei erheblich und somit ein "Versagen" der Gegenregulation des peripheren Widerstandes (W) besonders des Splanchnikusgebietes (Reindell Wezler und Böger) angezeigt. Auch für diese Fälle resultiert natürlich ein verhältnismäßig kleiner arterieller Mitteldruck. Wir beobachten also daß sowohl bei orthostatischer als auch bei arbeitsmäßiger Belastung unter Pr. häufiger einmal die arterielle Gegenregulation gestört ist. Allerdings muß der Einschränkung Schellongs gedacht werden nach der der Abfall von pd nach dem Lauf durch ein vergrößertes Vs "scheingesenkt sein kann. Unserer Ansicht nach muß aber eine Bewertung solcher diastolischer Druckabfälle unter anderem Blickpunkt geschehen wenn bei 3 hintereinander folgenden Kreislaufprüfungen an ein und derselben Person deutliche Änderungen nach Anwendung eines Pharmakons auftreten. Wir haben deshalb unsere Beobachtungen in die Bewertung mit einbezogen. Ein Anstieg von pd erfolgte nach dem Lauf wenn im Vergleichstest I ein gleiches Verhalten vorlag auch unter dem Einfluß von Pr. Offenbar genügt die Wirkung nicht im Falle einer stark anspringenden reflektorischen arteriellen Kompensation diese zu verhindern. Das Verhalten der Blutdruckrückkehr war unterschiedlich; 3mal blieb die Rückregularisierung bis zu 5 Minuten unvollständig ebensooft war sie überschießend ohne daß im Vergleichstest I ein gleichsinniges Verhalten angetroffen worden wäre. p/min blieb ebenfalls 3mal erhöht zeigte aber sonst eine stärkere "Vagusbremsung" nach Pr. die auch dann einsetzen konnte wenn im Test I die Frequenz nach 5 Minuten Erholungszeit noch deutlich über dem Ausgangswert lag. Dem oben erwähnten Verhalten von ps können wir zunächst keine besondere Bedeutung geben. Wir möchten abschließend betonen daß wir unsere Ergebnisse unter Zugrundelegung von früher ausgeführten Vorversuchen bewerten bei denen Test I II und III in gleicher Weise ohne Zugabe von Pharmaka beobachtet und verglichen wurden. V. Zusammenfassung der Ergebnisse 1. Intramuskulär appliziertes Prostigmin senkt ps und ps-pd in Ruhe in geringem Ausmaß stärker nach 25 als nach 90 Minuten post inject. 2. p/min wurde ebenfalls mäßig gesenkt. 3. Hyperthyreosen erwiesen sich gegenüber latenten Tetanien und vegetativen Dystonien etwas stärker ansprechbar auf diese Blutdruck- und Pulswirkung des Pr. 4. In 96% ergaben sich nach Pr. Veränderungen der orthostatischen Kreislaufregulation die in 72% den Charakter hypotoner Regulationsstörung trugen oder zumindest stärkeres Absinken von ps darstellten. Die Hälfte dieser Regulationsstörungen zeigte keinen deutlichen Anstieg von pd. Ein isolierter Anstieg von pd trat nicht auf. Solchen Regulationsänderungen unterlagen sowohl normale als auch leicht gestörte orthostatische Regulationen im Ausgangstest. 5. Der Zeitpunkt des Eintritts dieser Wirkungen war verschieden. Möglicherweise sind es dann wellenförmig auftretende gleichsinnige Effekte (Hornykiewytsch) oder aber Beantwortungen vorheriger gegensätzlicher Reaktionen des Pr. im Sinne der Befunde von Lüscher und Ask-Upmark. 6. Vollkommen eindeutig reagierten die vegetativen Dystonien (100%) mit den genannten orthostatischen Fehlsteuerungen 7. Unter Pr. kam es aber auch zur Aufhebung einer hypotonen und angedeutet hypotonen Regulationsstörung. 8. Entsprechend den orthostatischen Regulationsänderungen traten beim Wiederhinlegen nach der Stehprüfung stärkere Schwankungen von ps pd und p/min auf. 9. Nach Laufbelastung wird unter Pr.-Einwirkung die Anstiegshöhe von ps und pm kleiner desgleichen auch das AFP. 10. Ein Abfall von pd nach dem Lauf konnte nach Pr.3mal beobachtet werden (unter kritischer Auswahl nach Schellong). 11. Die Blutdruckrückkehr zur Norm erfolgte bis auf stärkere Regulationen unter den Ausgangswert und bis auf eine unvollständige Rückkehr in je 3 Fällen normal. 12. p/min zeigte in der Erholungspause zumeist eine stärkere "Vagusbremsung" mit Überregulierung unter den Ausgangswert. Es läßt sich weiterhin ableiten daß 13. eine experimentelle Erzeugung orthostatischer Regulationsstörungen durch Pr. möglich ist 14. in 4 Fällen (=16%) eine Beseitigung oder Minderung orthostatischer Blutdruckfehlregulationen mit Pr. möglich war 15. die vegetativen Dystonien und Hyperthyreosen allgemein gegen die Pr.-Wirkung empfindlicher erschienen als die LT und daß 16. Beobachtungen vorliegen die keiner eindeutigen "vagotropen" Wirkung des Pr. entsprechen so daß auch für den Effekt dieses Pharmakons das Ausmaß der vegetativen Ausgangslage und deren Regulationsmöglichkeit von Bedeutung ist wenn man nicht spezifische sympathikotrope Effekte des Pr. annehmen will. Zusammenfassung Im Zuge größerer Untersuchungsreihen wird über Veränderungen der Kreislaufprüfung nach Schellong nach intramuskulärer Injektion von 0 5mg Prostigmin "Roche" im Zeitraum von 25 und 90 Minuten nach dieser Injektion berichtet. Diese Veränderungen beziehen sich auf Blutdruck- und Pulsfrequenzänderungen in Ruhe bei orthostatischer Prüfung und einer Belastung nach Treppenlauf. Für den letzteren Teil der Prüfung wurde noch das Amplitudenfrequenzprodukt und pm zur Beurteilung herangezogen. Soweit möglich würden die besonderen Verhältnisse dieser Überprüfungen bei den beobachteten Krankheitsgruppen erörtert. Literatur Aeschlimann J. A. u. M. Reinert J. Pharmacol. (Am.) 43413(1931). Alberts A.G. Erg. inn. Med. 43 114 (1932). Ammon R. u. K. Zipf Zbl. inn. Med. 1194 (1942); 129(1942). Ask-Upmark E. Z. Kreislforsch. 41 (1941). v. Bergmann G. Funkt. Pathol. des veget. Nervensystems in: Handb. d. inn. Med.(Bergmann-Staehelin) Bd. 5 Springer Berlin 1932. Carmichael E. F. R. Fraser D. McKelvay u. D.P.D. Wilkie Lancet 942 (1934). Constantini A. u. G. Ballarin Atti Soc. med.-chir.Padova ecc.12 475 (1934). Donatelli L. Arch. Soc. biol.(It.) 21 201 (1935). Farkas G. u. H. Tangel Biochem. Z. 182 406 (1927). Freudenberg R. u. 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Keyword(s): Herz-Kreislauf medikamentöse Therapie


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