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November 2021

3mal täglich gilt immer seltener Arzneitherapie nach der (inneren) Uhr

Journal/Book: Münch. med. Wschr. 141 (1999) Nr. 10 S. 16. 1999;

Abstract: Pressekonferenz "Zirkadiane Rhythmen und ihre Bedeutung für die Arzneimitteltherapie" Kiel 25.1.1999 (Veranstalter: Akademie für pharmazeutische Fortbildung und Qualitätssicherung der Apothekerkammer Schleswig-Holstein und Akademie für medizinische Fortbildung der Ärztekammer Schleswig-Holstein). Wußten Sie daß man am besten mittags zum Zahnarzt geht? Denn dann wirken Lokalanästhetika am stärksten. Und daß eine sekundäre Hypertonie vor allem abends antihypertensiv behandelt werden muß dies aber bei primärer Hypertonie ins Auge gehen kann? Auch die Pharmatherapie wird vom Biorhythmus beeinflußt. Rezepte gegen zirkadiane Störgrößen bietet die Chronopharmakologie. Kein Organismus kann tags wie nachts arbeiten - das wäre unökonomisch. Die in der Natur ubiquitären Rhythmusphänomene werden durch die Achsenrotation unseres blauen Planeten mit der Regelmäßigkeit des Licht-Dunkel-Wechsels induziert: Vom Einzeller bis zu komplexen Pflanzen und Tieren - und natürlich auch Menschen - reagieren Lebewesen ausgeprägt zirkadian erläuterte B. Lemmer Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Heidelberg. Wo liegt unsere "innere Uhr"? Daß der Pulsschlag mit der Tageszeit variiert beobachtete bereits J.J. Quantz Flötenlehrer am Hof des Preußenkönigs Friedrichs des Großen. Um 1700 wurde die Anfälligkeit für Asthmaattacken in der Nacht und zu Beginn des 19. Jahrhunderts das erhöhte Angina-pectoris-Risiko in den frühen Morgenstunden beschrieben. Eine Erklärung dieser seit langem bekannten Phänomene ermöglichte erst der rasante Fortschritt molekularbiologischer Techniken: Eine "Uhr-DNA" treibt uns an die bei Goldhamster Maus Pilzen und Drosophila geortet werden konnte. Für nachtaktive Ratten wies Lemmer den Sitz dieses endogenen Schrittmachers oberhalb der Sehnervenkreuzung nach dem Nucleus suprachias-maticus; dieser ist engstens an den Überbringer von Tag-Nacht-Informationen das Auge gekoppelt. Von der Ratte zum Menschen. "Wir benötigen mehr klinische Studien im Tag-Nacht-Crossover-Design" forderte Lemmer chronopharmakologische Aspekte werden in der Arzneimittelforschung kaum beachtet. Beispielsweise ließe sich dem nächtlichen Asthmaanfall durch eine abendliche Theophyllin-Gabe gut gegensteuern. Das gesamte Herz-Kreislauf-System wird durch zirkadiane Rhythmen geprägt. Wie Lemmer in einer Fünffach-Crossover-Studie mit Einnahme von Propranolol zu fünf unterschiedlichen Tageszeiten feststellte wirkt der Betablocker tagsüber stärker als nachts. Der ACE-Hemmer Enalapril verstärkt nach abendlicher Gabe beim essentiellen Hypertoniker den nächtlichen Blutdruckabfall - was für KHK-Risikopatienten problematisch sein kann. Bei Patienten mit sekundärer Hypertonie bleibt der physiologische nächtliche Blutdruckabfall aus - der Druck kann im Gegenteil nachts sogar noch ansteigen. Während eine primäre Hypertonie die morgendliche Gabe eines Antihypertensivums verlangt ist bei der sekundären Hypertonie eher noch eine Abenddosis angezeigt. ... ___MH


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