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October 2022

Bäder- und Klimaheilkunde im Wandel der Zeiten*

Journal/Book: Z. angew. Bäder- u. Klimaheilk. 19: 209-218 (1972). 1972;

Abstract: Königstein/Ts. * Die Entwicklung in den beiden letzten Jahrzehnten im einzelnen zu schildern mußte hier unterbleiben. Die Entwicklung der Kurorte und des Ausbaues heilkräftiger Quellen zur allgemeinen Erholung und zur Behandlung kranker Menschen zeigt wie stark die Einwirkungen genau dosierbarer Kräfte der Natur mit den Einflüssen kultureller wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Gegebenheiten verbunden sein können. Das medizinhistorische Studium auf unserem Gebiet gründet sich nicht nur auf Mitteilungen der speziellen Literatur sondern auch auf archäologische kunstgeschichtliche und psychologische Forschungen. Als die älteste besterhaltene Quellenfassung gilt die bronzezeitliche vorrömische Fassung der Mauritiusquelle von St. Moritz im Engadin deren Alter auf mehr als 3000 Jahre geschätzt wird. Nach A. M a r t i n einem der besten Kenner der Balneologie-Geschichte darf man annehmen daß bei Germanen Kelten und bei den hochkultivierten Griechen der Quellenkult im Vordergrund stand die objektiven Heilkräfte der Quellen aber nur Nebensache waren während die realistischen Römer die Quellen als echte Heilmittel schätzten. Schon in der Spätantike (G a l e n C a e l i u s A u r e l i a n u s u. a.) verordnete der Arzt bei chronischen Erkrankungen vor allem bei Lähmungen Gicht Blasen- und Nierenkrankheiten den Besuch eines Heilbades. Nach P l i n i u s wurden die Mineralquellen zum Baden und Trinken sowie ihr Mineralschlamm zu Packungen verwandt. Hochgeschätzt waren schon im ersten Jahrhundert n. Chr. z. B. die Thermen am Meerbusen von Neapel insbesondere die bei Baiae und Puteoli sowie Quellen auf der Insel Ischia. Aus dem weltweiten römischen Reidi sind über 100 Bäder (aquä) bekannt. Der Grundtyp der Badeanlagen bestand aus 2 Piscinen einer gedeckten und einer offenen. In Deutschland sind zahlreiche Ruinen solcher Römerbäder noch vorhanden (Aachen Baden-Baden Bertrich Wiesbaden u. a.); als besterhaltene gilt die von Badenweiler. Die Römer verlegten ihre Lazarette für verletzte Krieger gern in die Nähe von Heilquellen z. B. befand sich das Lazarett Vindonissa in der Nähe von Baden/Schweiz. Freilich wurden die Bäder schon bei den Römern bald nicht nur zu Heilzwecken aufgesucht sondern sie waren auch Stätten gesellschaftlichen Treffens mit großem Luxus "balnea vinum venus corrumpunt corpora nostra sed vitam nostram faciunt balnea vinum venus" (A. K u k o w k a u. a.). Mit dem Verfall des römischen Weltreiches verschwand auch die große Badekultur des Altertums. Erst das Studium der durch die Araber vermittelten antiken Schriften durch christliche Gelehrte im Mittelalter lenkte die Aufmerksamkeit wieder auf die Mineralquellen. Aus den Arbeiten von Paul D i e p g e n (1878-1966) ist uns die überragende und vielseitige Bedeutung des mittelalterlichen Arztes A r n a l d von V i l a n o v a (etwa 1238-1311) bekannt. Als vielgeschätzter Consilarius bereiste er die Mittelmeerländer hinterließ in seinem "Breviarium practicae" eine größtenteils selbständige reizvoll geschriebene Pathologie und Therapie und teilte die Quellen in solche von weinsteinartigem und solche von salzigem Geschmack ein. D i e p g e n der sich wiederholt gegen das Schlagwort von dem "dunklen Mittelalter" gewandt hat ebenso wie K. S u d h o f f und W. A r t e l t hebt als ein charakteristisches Beispiel für das rationelle Prinzip in der ganzen mittelalterlichen Medizin das sorgfältig geregelte Kurortwesen mit seinen Trink- und Badekuren in den individuell gehaltenen Brunnenkuren hervor. ... ___MH


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