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March 2021

Zur Psychologie und Psychopathologie des Badegastes

Journal/Book: Dtsch. Med. Journ. 5 5/6: 124 (1954). 1954;

Abstract: Von Prof. Dr. H. Boening Direktor der Psychiatrischen und Nervenklinik Gießen. Die rationale Aufhellung nur grob empirisch gesicherter Heilwirkungen von Bädern ist für den Badearzt als Naturwissenschaftler eine selbstverständliche Forderung. Aus der Sicht des durchschnittlichen Badegastes ist das aber weniger wichtig; für ihn bleibt der Badearzt der weise Kenner und Nutzer naturverbundener Kräfte. Kaum ein Arzt ist für den einfachen Patienten ganz aus dem "Magischen" herausgenommen weil der ärztliche Helfer in bedrohlichen Grenzsituationen tätig ist. Man darf als Arzt unbedenklich dieser primitiven Auffassung Rechnung tragen. Der Referent hat seine Beobachtungen unter ärztlichem Inkognito als Begleiter kurbedürftiger Angehöriger in einigen kleinen und mittelgroßen Heilbädern gemacht. Ihm fiel dabei auf wie sehr Strenge und Disziplin in der Zeiteinteilung und dem Gebrauch der Kurmittel ein Ritual setzen das vom Außenseiter nicht nur respektiert wird sondern in das er in bescheidenem Umfang einbezogen werden kann. Auffällig waren ihm weiter die Minderung der gesellschaftlichen Distanz mit gesteigerter Kontaktbereitschaft wie sie sich aus der Annahme gleichen Krankheitsschicksals beim anderen ergibt. Auffällig war ihm in diesem Zusammenhang auch das selten zum Klatsch ausartende "Bescheidwissen" über den anderen. In einer freilich sehr groben Einteilung lassen sich die Besucher des Heilbades in die kurbedürftigen die Hysteriker und die "Genießer" sondern. Die Unterscheidung dieser Gruppen vollzieht sich am einfachsten in der Betrachtung des gerichteten Gefühls der Hoffnung eines Gefühls also welches sich im Gesamtausdruck in der Mimik in Form und Inhalt der Unterhaltung recht eindrucksvoll als echt verbürgt und das bei dem Kranken und dem sich wirklich krank Fühlenden auf die Gesundheit gerichtet ist. Das Gefühl der Hoffnung und die mit ihm in wesensmäßiger Verbundenheit stehenden Gefühle Furcht Sorge Enttäuschung Resignation und des Vertrauens werden vom Vortragenden analysiert. Der Arzt muß allen diesen Gefühlen in einer spezifischen Form der Teilnahme begegnen in der echte Besorgtheit und rationales Verständnis sich die Waage halten und die in entschlossenen Zuspruch unter Umständen auch autoritatives Diktat mündet. ... ___MH


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