Auf dem Weg zu einem neuen Verfahren in der Elektrotherapie Die Mittelfrequenzdurchströmung der Skelettmuskeln Erster Teil: Klinische und physiologische Grundlagen. |
Journal/Book: Zschr. Physiother. Heft 2/1977 S. 81-94. 1977;
Abstract: Aus der Rheumaklinik des Kantonspitals und dem Institut für Physikalische Therapie (Direktor: Prof. Dr. A. BÖNI) der Universität Zürich 1 Herrn Professor GIAN TÖNDURY zum 70. Geburtstag gewidmet ( 17. März 1976) Zusammenfassung Im Hinblick auf die therapeutische Anwendung von sinusförmigen Wechselströmen des Mittelfrequenzbereichs im allgemeinen und vorerst für die Mittelfrequenzdurchströmung der Skelettmuskeln im speziellen wurde die einschlägige Literatur auf diesbezügliche klinische und am Menschen erhobene experimentelle Befunde einer kritischen Betrachtung unterzogen. Es ergaben sich eindeutige Hinweise auf eine (experimentell-physiologisch erst später erkannte) direkte Einwirkung mittelfrequenter Wechselströme auf die Skelettmuskeln (Muskelfasern) die in einer nicht auf Tetanisierung d. h. nicht auf Superposition von Zuckungen beruhenden Dauerkontraktion einer physiologischen Kontraktur zum Ausdruck kommt. Der Mechanismus dieser Mittelfrequenzkontraktur die eine vollkommen reversible Erscheinung ist erklärt sich experimentell-physiologisch durch einen "reaktiven Depolarisationszustand" der durchströmten Muskelfasermembran worauf im Rahmen des für das Verständnis Notwendigen Bezug genommen wurde. Hieraus resultieren die für eine physiologisch begründete und zielgerichtete Verwendung mittelfrequenter Sinusströme (Frequenz 10 kHz) für Therapie und Massage erforderlichen theoretischen und praktischen Voraussetzungen. Hand in Hand mit der Durchströmung der Skelettmuskeln geht diejenige der Haut. Es erwies sich daher als unerläßlich auch die Wechselstromeinwirkungen auf die Haut in die Betrachtung miteinzubeziehen. Die seit langem bekannte sedative Wirkung gilt nur für niederfrequente Wechselströme (max. 3000 Hz); für höhere Frequenzen wurde sie nie einwandfrei nachgewiesen. Die Mittelfrequenzdurchströmung der Haut die subjektiv die Empfindung eines "Prickelns" oder "Schwirrens" hervorruft wurde mit dem Ansprechen sensibler Nervenendigungen auf die "reaktive Depolarisierung" im Sinne selbsttätiger repetierender Erregungsbildung in Zusammenhang gebracht. Schmerzhafte Begleiterscheinungen ergaben sich auf Grund früherer und eigener Befunde erst bei sehr hohen Stromstärken. Die Unterscheidung zwischen 3 Frequenzbereichen ist auch für die Wechselstromtherapie unumgänglich. N i e d e r f r e q u e n z bewirkt eine konventionelle repetierende Impulsreizung; diese ist am Muskel als echte Tetanisierung nachweisbar an der Haut bei schwachem Strom und unterhalb 200 Hz als frequenzsynchrones "Vibrieren" oberhalb 200 Hz als asynchrones "Prickeln" mit "stechenden" bzw. "brennenden" Schmerzempfindungen sobald die Stromstärke etwas erhöht wird. Die sedative Wirkung ("Vertaubung") gehört als Phänomen der repetierenden Impulsreizung ebenfalls hierher. M i t t e l f r e q u e n z bewirkt bei Dauerdurchströmung die "reaktive Depolarisation" die mit oder ohne Erregungsbildung mit oder ohne spontane Schwankungen (Eigenaktivität) verlaufen kann. Dies gilt für Haut Nerv und Muskel. Beim Muskel kommt als kontraktile Komponente die Kontraktur hinzu. H o c h f r e q u e n z bewirkt als physiologisch nachweisbaren Effekt nur das Freiwerden der Stromwärme. Mit der Mittelfrequenzdurchströmung werden Reizeffekte vermieden. Die bewußte Umgehung der Reiz-Erregungs-Beziehung bedeutet für die Elektrotherapie eine praktisch wichtige Neuerung. Hiervon wird bei der Mittelfrequenzdurchströmung der Skelettmuskeln Gebrauch gemacht. ___MH
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