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October 2021

Physikalische Therapie - Physiotherapie - Zum 100. Geburtstag von J. Grober

Journal/Book: Z. Physiother. 27 (1975) 6 S. 401-411. 1975;

Abstract: Aus dem Institut für Physikalische Therapie (Leiter: Dr. med. R. Callies) der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Forschungsinstitut für Balneologie und Kurortwissenschaft (Direktor: OMR Prof. Dr. med. habil. H. Jordan) Bad Elster Man kann nicht leugnen daß die an einen Facharzt für physikalische Medizin zu stellenden Anforderungen sehr groß sein müssen. In keinem anderen Zweige der Heilkunde bedarf es so sehr breiter und tiefer Erfahrung . . . Dieser Arzt muß vielmehr ein wirklicher Meister der Heilkunst sein (Lord Horder und B. Kiernander [24]). Ein doppelter historischer Anlaß besteht in diesem Jahr einen Rückblick in die Geschichte unseres Fachgebietes zu tun: am 23. November jährt sich zum hundertsten Male der Geburtstag von J. Grober; zugleich kann das von ihm bis zu seiner Emeritierung geleitete Institut für Physikalische Therapie der Friedrich-Schiller-Universität Jena auf sein fünfzigjähriges Bestehen zurückblicken. Grobers Initiative und wissenschaftlicher Befähigung ist es zu verdanken daß im Jahre 1925 ein viertes Institut für diese Fachrichtung neben Berlin Frankfurt und München in der Saalestadt entstand. War Berlin die Hydrotherapie Frankfurt die Elektro- und Ionentherapie und München die Röntgen- und Radiumtherapie als Arbeitsschwerpunkt zugedacht so Jena die Strahlenforschung der Grober einen beträchtlichen Teil seines schöpferischen Forscherlebens gewidmet hat. Es ist hier nicht beabsichtigt die fachliche Leistung Grobers umfassend zu würdigen; es erscheint uns eher geboten die Grundlinien nachzuzeichnen denen Grobers Werk folgt und die sich von ihm auf unsere Gegenwart hinziehen. Die große zeitliche und damit wissenschaftliche Entwicklungsspanne die Grober zu durchleben vergönnt war läßt an ihren Einzeletappen zugleich einen charakteristischen Werdegang unseres Fachgebietes dem er wesentliche Impulse verlieh ablesen - Ergebnis einer fruchtbaren Wechselwirkung: schöpferisch formend wird der Forschende selbst mitgeformt. Schon ein ganz summarischer Überblick von äußerster Kürze [25] macht dies deutlich: wenn nur etwa die Mächtigkeit des Arbeitsbereiches überdacht wird der sich vom Strahlenforscher am Kilimandscharo bis zum Autor eines "Klinischen Lehrbuches der Physikalischen Therapie" vom Kenner der Tropenmedizin - Grober war Träger der Bernhard-Nocht-Medaille - bis zum Gründer der "Deutschen ärztlichen Arbeitsgemeinschaft für Physikalische Therapie" (der späteren "Association Internationale de la Médicine Physique") und vom Hochschulprofessor für Innere Medizin bis zum versierten Fachmann für den Krankenhausbau erstreckt. Dem ehemaligen Schüler des Physiologen Pflüger in Bonn mochte die Chance einer Assistentenstelle bei R. Stinzing in Jena der seine physiologische Grundausbildung dem gleichen Lehrer verdankte sehr gelegen kommen. Schon die Titulatur dieses seines Chefs - seit 1892 bis 1924 war Stinzing "Ordentlicher Professor der Pathologie und Therapie" sowie "Direktor der Medizinischen Klinik und des Labors für experimentelle Pathologie" - umschreibt welch breites interessantes und damals noch wenig begangenes Arbeitsfeld hier betreten werden konnte. Es entsprach der naturwissenschaftlich-klinischen Denkweise Grobers der 1899 hier seine Arbeit aufnahm; in seinem gesamten späteren ärztlichen Wirken spürt man die Gediegenheit der drei Fundamente Physiologie Klinik und Pathologie an deren Profilierung und gegenseitigen Durchdringung er unermüdlich arbeitete. Zudem war seit C.W. Hufelands Wirken- von 1793 bis 1798 Ordentlicher Professor für Medizin in Jena - in dieser Universitätsstadt ein fruchtbarer Boden für das Gedeihen einer im eigentlichen Sinne paracelsischen Anschauung von Wesen und Wert der Beziehungen zwischen Mensch und Natur bereitet worden. Grober hat im Geiste der "Makrobiotik" Hufelands gedacht und gehandelt und dies auch ausdrücklich in seiner "Neuen Makrobiotik" [17] bekundet. Die in dieser Epoche stürmische Entwicklung der Naturwissenschaften mit ihren spürbaren Anteilen sowohl an der Naturerkenntnis Goethes als auch an der Naturphilosophie Schellings begünstigte offensichtlich auch das Aufblühen einer "physikalischen" Medizin und Therapie. In erster Linie ist hier wohl das Teilgebiet der Hydrotherapie zu erwähnen. Die Anwendung des Wassers besaß vor allem in der "Balneotherapie" mit den Heilquellen der Kurorte Deutschlands und Europas eine bedeutende und allgemeine bekannte Tradition. Natürlicherweise lag das Bestreben nahe deren segensreiche Wirkungen - oftmals allerdings mehr gepriesen als erwiesen - gewissermaßen in örtlicher Unabhängigkeit von ihrem Vorkommen in die klinische und ambulante Medizin und die Gesundheitslehre überhaupt einzubauen. So "verpflanzte" Tolberg die Thalassotherapie nach Schönebeck-Salzelmen und Reil nach Halle indem sie dort die Soleschwimm- und -inhalationstherapie schufen [39] und ebenso fanden die "künstlichen" Kohlensäurebäder die schon Döbereiner [5] empfahl und deren Wert Beneke 1859 [1] und Schott 1885 [38] in Bad Nauheim erkannt und der Welt bekanntgemacht hatten Eingang in die klinische Therapie; im Lehrbuch der Hydrotherapie des Stinzing-Schülers Matthes [32] ist dies nachzulesen. Grober schlichtete im Jahre 1953 die Streitfrage ob "natürliche" CO2-Bäder besser seien als künstliche [13]. Dieses Matthessche Lehrbuch nennt Martin "eine vollständige Aussöhnung zwischen Klinik und Wasserheilkunde" [31] wie sie durch die bekannte von Nichtärzten geübte "Kaltwasserheilbehandlung" - ihr Hauptvertreter Priessnitz erklärte jeden Arzt für prinzipiell unfähig Wasserheilkunde zu betreiben! - notwendig geworden war. Nachdem Winternitz als erster Professor für Wasserheilkunde in Wien 1877 die Hydrotherapie auf ihre physiologischen und klinischen Grundlagen [40] geprüft hatte waren auch in Jena der Internist Stark und der Psychiater Siebert zur Behandlung fieberhafter Krankheitsbilder oder psychotischer Erregungszustände mit kalten oder warmen Bädern übergegangen; Gerhardt Nothnagel und Leube waren damit offenbar bei Typhus Malaria und Pneumonien erfolgreich. Leube war außerdem durch seine Wärmebehandlung des Ulcus ventriculi und duodeni bekannt geworden; sein Nachfolger M. J. Rossbach schrieb 1892 das erste Lehrbuch für Physikalische Therapie [34]. Rossbach neigte darüber hinaus sehr zur Mechanotherapie die ebenfalls auf das große Interesse des Psychiaters Siebert des Chirurgen Ried und des Internisten Stark stieß. So war der "Atemstuhl" Rossbachs einer der ersten Anregungen auf jenem Gebiete der "medizinischen Maschinen" das durch den Stockholmer Arzt J. G. W. Zander (1835 bis 1920) so breit ausgebaut und popularisiert wurde daß man damals in Laien- und Ärztekreisen vom "zandern" ebenso selbstverständlich sprach wie heutzutage vom "röntgen". Ried richtet zu Rossbachs Zeiten in Jena eine Ausbildungsanstalt für Masseure und Heilgymnasten ein; Siebert hatte eine hohe Meinung vom Wert der Bewegungstherapie bei psychotischen Störungen - erst in jüngster Zeit ist der tiefere Zusammenhang zwischen körperlicher und psychischer Ausdrucksform durch das Studium der Verhaltensforschung erfaßbar geworden. Natürlich war auch die Anwendung des elektrischen Stromes damals bereits geläufig; Stinzing war nicht nur Schüler Pflügers sondern auch von v. Ziemssen in München dessen bekanntes Werk "Electricität in der Medizin" 1868 erschienen war [41]. Mit Stinzing nahm dieser Zweig der Physikalischen Therapie in Jena einen weiteren Aufschwung; bekannt ist die Stinzingsche "Normalelektrode". An der Weiterentwicklung der Elektrotherapie hatte die Innere Klinik Jenas mit Gumprecht erwähnt sei sein Buch "Technik der speziellen Therapie" - und insbesondere dem Veil-Schüler Schliephake hervorragenden Anteil. Letzterer berichtete 1928 erstmals auf dem Internistenkongreß in Wiesbaden über die Effekte an Elektrolytlösungen und verschiedenen Körpergeweben - die Wärme - die sich mit der von ES

Keyword(s): Physiotherapie historischer Überblick Physikalische Therapie


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